Ein Artikel von Peter Schreiber
Richtig aufgefallen ist die alte Eiche auf dem Spielplatz erst, als sie auf einmal nicht mehr da war.
Wo vorher ein großer, im Sommer schattenspendender Baum stand, ist nun eine Lücke. Über Nacht hat ein Sturm den alten Baum umgeworfen. Die Kinder stehen staunend am Fenster und sehen zu, wie die Eiche zersägt und abtransportiert wird.
Lisa entdeckt als Erste, dass der Baumstamm Rillen aufweist, die rund und in mehreren Lagen zu sehen sind. „Das sind die Jahresringe!“, weiß Tom. „Jeder Ring steht für ein Jahr.“
Fasziniert betrachten die Kinder die Ringe und schnell wird klar, dass der Baum sehr, sehr alt war.
Wie alt aber können Eichen werden? Warum ist dieser Baum umgefallen? Wo wohnen die Vögel nun? Was für Tiere leben überhaupt in und auf einem Baum?
Erste Anlaufstelle für diese und weitere Fragen sind die Pädagogen vor Ort. Aber auch für diese ist es oftmals nicht einfach, Bäume sicher zu bestimmen und genaue Auskunft über ihren Lebensraum zu geben.

Was ist das eigentlich, ein Baum?

Obwohl die meisten Bäume zu beeindruckender Größe wachsen können, spielt sich ihr Leben in drei nur sehr dünnen Schichten ab. Diese liegen direkt unter der Borke, und bilden einen feuchten Mantel um das tote Kerngehäuse. Unabhängig davon, welche Größe ein Baum erreicht, sein belebter Teil besteht nur aus einigen wenigen Kilogramm lebendem Gewebe.
Diese drei Schichten, Phloem, Xylem und Kambium sind unter anderem dafür zuständig, das Wasser aus dem Boden zu ziehen, je nach Baum kann das bis über 1000 Liter am Tag sein.
Zu den am häufigsten in Deutschland vorkommenden Baumarten gehören unter anderem die Eiche, Buche, Erle sowie die Tanne.

Das Alter
Das Alter eines Baumes lässt sich leicht anhand der Jahresringe herausfinden; jeder Ring steht dabei für ein Jahr. Leider ist diese Methode nur an gefällten Bäumen möglich. Um das Alter lebendiger Bäume herauszufinden, genügt allerdings ein einfaches Maßband; da Bäume mehr oder minder gleichmäßig wachsen lässt sich anhand des Stammumfanges das Alter relativ genau errechnen. Der durchschnittliche Zuwachs eines ausgewachsenen Baumes beträgt ungefähr 2 Zentimeter pro Jahr. Gemessen wird ca. einen Meter über dem Boden.

Standort Umfang Ungefähres Alter
Freistehend 2,5 Meter 100 Jahre
Dicht bewachsendes Gebiet, Wald 2,5 Meter 200 Jahre
Mittel bewachsendes Gebiet, Straßenbäume 2,5 Meter 150 Jahre

Natürlich ist das Wachstum und damit die jährliche Zuwachsrate des Stammumfanges von sehr vielen verschiedenen, aber oftmals einander bedingende Faktoren abhängig (Baumart, Klima, Nährstoffversorgung, Wasserversorgung, Licht), daher können diese Werte nur sehr grobe Schätzungen sein. Oftmals ist eine genauere Auskunft über Gärtnereien oder das Gartenbauamt der Stadt zu bekommen.

Die Rinde
Die Rinde eines Baumes gibt immer wieder Anlass zu staunen: Die gefurchte, beinahe künstlerisch anmutende Struktur lässt sich erfühlen und ertasten. Man kann mit den Fingern die Furchen im Stamm nachziehen und ein Gefühl für die Festigkeit bekommen. Die Rinde ist von Baumart zu Baumart verschieden.

Rinde eine Kastanie (Links), einer Tanne (Mitte) und eines Obstbaumes (Rechts)
Um Vergleiche anzustellen, lassen sich einfach Rindenabdrücke herstellen.
Ein Stück Papier wird mit Bindfaden an einem ausgesuchten Stück Baum befestigt. Mit einem Wachsmalstift wird dann vorsichtig, aber kräftig über das Papier gerubbelt, bis die Struktur sichtbar wird. Vergleichen wir auf diese weise Birkenrinde mit der einer Tanne, werden wir einige Unterschiede hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit bemerken. Die so erstellten Rindenbilder lassen sich hervorragend auf unserem Forschertisch ausstellen; warum nicht vier oder fünf verschiedene Bilder zu einer Collage zusammenfügen?

Die Blätter
Die leuchtenden Blätter sind im Herbst besonders beliebt bei Kindern. Das in den Blättern vorhandene gelbe und blau-grüne Chlorophyll ist dafür verantwortlich. Während das blau-grüne Chlorophyll im Herbst durch die Blattadern in den Baum zurückwandert, bleibt nur das gelbe Chlorophyll im Blatt zurück und sorgt für die charakteristischen Herbstfarben. In einem chemischen Umwandlungsprozess, bei dem Sauerstoff eine große Rolle spielt, werden die Zellen der Blätter rot gefärbt. Nun gesammelte und gepresste Blätter lassen sich gut für farbenfrohe Collagen verwenden.

Das Jahr
Spannend kann es sein, einen ausgewählten Baum über ein ganzes Jahr zu begleiten.
Dafür lohnt es sich, ein eigenes Dokumentationsbuch anzulegen. Wird für jeden Monat ein Eintrag angelegt, gibt das Buch nach einem Jahr einen hervorragenden Eindruck von dem wechselhaften Aussehen des Baumes. Der Kreativität sind dabei nahezu keine Grenzen gesetzt; Zeichnungen, Fotos, gepresste Blätter eines jeden Monates, Rindenabdrücke, Texte, die die Eindrücke der Kinder festhalten und vieles mehr ist möglich.
Mit am Eindrücklichsten sind natürlich Fotos; wird über ein ganzes Jahr möglichst immer aus derselben Perspektive fotografiert, zeigen die Bilder deutlich die Veränderungen. Neben den verschiedenen Farben werden auch Veränderungen im Wachstum, in der Ausbreitung der Äste sowie in der Stammstruktur erkennbar sein. Sicher lassen sich Vogelnester ebenso finden, wie ab und zu ein Wespennest (Vorsicht!), Spechtspuren oder auch ein Schädlingsbefall durch Insekten oder Pilze. Je nach Lage lassen sich Eichhörnchen, Vögel, Mäuse und vieles mehr entdecken.
Der Baum wird dabei als Ökosystem erfahr – und erforschbar, das vielen Lebenswesen einen wichtigen Lebensraum bietet. Von den Wurzeln bis zur Baumkrone wimmelt der Baum von Leben.

Beobachtungen
Über die kontinuierliche Beobachtung lassen sich die Veränderungen am Baum für Kinder sehr gut erfahrbar machen. Zugleich ist es auch eine Auseinandersetzung mit der näheren Umwelt, mit Wettereinflüssen und den Jahreszeiten. Kinder haben so die wichtige Möglichkeit, unmittelbare Umwelterfahrungen zu machen und diese in einen größeren Kontext zu setzen.
Sie bekommen bei dieser Beschäftigung einen Eindruck von der Bedeutung eines Baumes als Ökosystem und können so ein Gespür für die Schönheit der Natur bekommen. Nur was wahrgenommen und wertgeschätzt wird, kann auch als schützenswert betrachtet werden. Indem Kinder die Gelegenheit bekommen, die Natur auf spannende und spielerische Weise kennenzulernen, wird ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz getan.

Die Zapfen von Nadelbäumen eignen sich hervorragend als Hygrometer, um die Luftfeuchtigkeit zu messen. Als Materialien werden benötigt:
• Ein Fichtenzapfen
• ein Brett
• eine Nadel
• einen Strohalm
• ein Stück Pappe oder stabiler Tonkarton

Eine sinnvolle Ergänzung zu der Windhose ist das Hygrometer, das als Indikator für die vorherrschende Luftfeuchtigkeit dient.
Der Fichtenzapfen wird sich bei trockener Luft öffnen und bei feuchter schließen, dadurch schützt er seine Samen.
Nutzt man dieses natürliche Phänomen richtig aus, kann man gut das vorherrschende Wetter dokumentieren.
Zunächst wird der Fichtenzapfen auf das Brett geklebt. Gut eignet sich hier Heißkleber, so ist der Zapfen schnell und sicher befestigt.
Die Nadel wird ungefähr in der Mitte des Zapfens seitlich in eine Samenschuppe gesteckt. Auf die herausragende Nadel wird der Strohhalm gesetzt, er dient als Verlängerung.
Als Rückwand wird nun die Pappe angeklebt, sodass der Stand des Zeigers dort dokumentiert werden kann.
Nun wird die Messstation nach draußen, an einen trockenen Ort gestellt. Der Stand der Nadel wird während verschiedener Wetterverhältnisse dokumentiert; also zum Beispiel bei Sonnenschein, Regen, Schnee und so weiter.
Wichtig ist, dass der Zapfen vor direkten Wettereinflüssen geschützt ist. Ein idealer Standort ist zum Beispiel auf einer windgeschützten überdachten Terrasse.
Die festgehaltenen Daten lassen sich gut dokumentieren und geben nach einiger Zeit Aufschluss über die vergangene Wetterentwicklung.

TIPP:
Bei jüngeren Kindern lässt sich das jeweilige Ergebnis in Bildform darstellen; ältere Kinder können hier am besten mit einer Tabelle arbeiten.

Die Umgebung
Nicht nur der Baum bietet Tieren Schutz und Heimat, sein umherliegendes Laub beheimatet viele Insekten.
Um genau herauszufinden, welche Tiere sich dort einen Platz gesichert haben, gehen wir folgendermaßen vor:

Zunächst einmal wird einige Handvoll Laub gesammelt. Es ist dabei relativ unerheblich, ob das Laub feucht oder trocken ist. Mehr Tiere werden sich allerdings in feuchtem, jedoch nicht nassem Laub finden. Feuchtes Laub sollte allerdings relativ schnell entsorgt werden, da es leicht zu schimmeln beginnt. Das gesammelte Laub wird in ein nicht zu feinmaschiges Sieb gefüllt und vorsichtig über einem weißem Blatt Papier ausgeschüttelt.
Die herausfallenden Insekten sammeln wir vorsichtig ein. Ideal hierfür ist ein sogenannter Exhaustor, mit dem die Tiere einfach eingesaugt werden können. Dieser ist leicht herzustellen.

Herstellung Exhaustor
Wir benötigen ein Glasgefäß, das ca. 300 bis 500 ml fassen kann und das oben mit einem großen Korken verschlossen wird (beides aus der Apotheke zu beziehen). In den Korken werden vorsichtig zwei Löcher gebohrt. Durch diese Löcher stecken wir nun jeweils einen Strohhalm. Der Halm, an dem wir später saugen werden, ist an seinem unterem Ende mit einem Teefilter beklebt oder umwickelt. So verhindern wir, dass Insekten in den Mund gesaugt werden. Am Ende des anderen Strohhalmes wird ein biegsamer Gummischlauch befestigt. Nun lassen sich Insekten in das Gefäß einsaugen, ohne das sie verletzt werden (etwa durch ein einsammeln mit einer Pinzette). Darüber hinaus haben wir ganz nebenbei ein wichtiges und praktisches wissenschaftliches Gerät hergestellt!

Was werden wir nun beobachten können? Am besten ist es, eine kleine Tabelle zu erstellen, in denen die einzelnen Tierarten verzeichnet werden.
Kinder, die noch nicht schreiben können, malen einfach die gesehenen Tiere auf. Unter anderem werden Kellerasseln, Tausendfüßler, einige Spinnen und Ohrwürmer zu finden sein. Wird dieser Versuch öfter wiederholt und mittels der Tabelle dokumentiert, werden wir schnell feststellen, welche Tiere häufig im Laub anzutreffen sind und sich dort wohlfühlen.
Zu beachten ist, dass alle diese Tiere in der Regel ein feuchtes Umfeld zum Leben benötigen. Ohne dieses trocknen sie schnell aus und sterben. Die Beobachtung sollte also zügig durchgeführt werden.

Einige der Tiere, die wir so gefangen haben, ernähren sich vegetarisch, oftmals von verrottendem Laub. Manche sind Räuber, die Jagd auf unterschiedliche Insekten machen.
Eine grobe Unterscheidung ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Tiere fortbewegen: In der Regel sind die Räuber schneller als die Vegetarier. Für eine genauere Unterscheidung sind Insektenbestimmungsbücher hilfreich (siehe unten). So lassen die sich Insekten sicher bestimmen und einordnen. Das ist deshalb sinnvoll, weil sich nur so Beobachtungen in einen größeren Kontext setzen lassen. Wissen wir, welche Tiere schon beobachtet worden sind, können wir Aussagen über die Vorkommenshäufigkeit treffen. So lassen sich Kellerasseln oft in feuchtem Laub antreffen; Spinnen hingegen, die, aufgrund ihrer Nahrungsaufnahme, andere Orte bevorzugen jedoch nicht so häufig.

Fazit
Was mit einfachen Fragen beginnt, kann zu einem großen Forschungsprojekt werden. Kinder können sich intensiv mit dem Lebensraum Baum, aber auch mit angrenzenden Themen wie zum Beispiel Insekten, heimische Pflanzenarten und Weiterem auseinandersetzen.
Werden solche Projekte in der Einrichtung ermöglicht, wird ein wichtiger Teil zur naturwissenschaftlichen Bildung von Kindern beigetragen.
So kann für die Kinder nun verständlich sein, warum die Eiche auf unserem Spielplatz umgefallen ist (sie war morsch) aber es wird auch klar, dass ein solches Projekt nie beendet sein wird. Solange Kinder fragen haben, kann weitergeforscht werden. Und Kindern Anreize zu geben, Fragen zu stellen, ist die wichtigste Aufgabe des Pädagogen.

Literaturtipps:
Bestimmungen von Bäumen vor Ort: Welcher Baum ist das?: 170 Bäume einfach bestimmen von Joachim Mayer aus dem Kosmos Verlag
Bestimmung von Insekten: „Der neue Kosmos-Insektenführer“ von Heiko Bellmann aus dem Kosmos Verlag.

Weiterführende Links
Baumbestimmung: http://www.baumkunde.de/haeufigste-baeume-deutschland.php
Baumarten: http://www.waldwissen.net/themen/waldoekologie/baumarten/fva_einheimische_baumarten_DE

Kontakt zum Autor dieses Artikels über:
www.peterschreiber.net

Schreibe einen Kommentar